Intro
Ernst Weiß Portal
Intro: Das Ernst Weiß Portal ging im Oktober 2022 an den Start und wird nach und nach befüllt, um den wissenschaftlichen Austausch zu fördern und literaturinteressierte Menschen und Journalisten auf Ernst Weiß neugierig zu machen.
Begleitet und unterstützt wird das Portal von dem Schriftsteller und Ernst-Weiß-Kenner Peter Engel, der sein umfangreiches Ernst-Weiß-Archiv für diese Website zur Verfügung stellt.
Mit dem Portal möchten wir Unterstützer, Forschende, Sponsoren und ambitionierte Verleger finden und vernetzen. Über Entstehung, Absichten und Ziele informiert der Text Über das Ernst Weiß Portal.
Der Entwickler:
Konzipiert, gestaltet und programmiert hat das Portal der Grafik- und Webdesigner Ralph Segert aus Gelsenkirchen. Unter der Haube läuft das CMS ExpressionEngine 7, ein leistungsfähiges und einfach zu handhabendes Content Management System, das optimal für barrierefreie Informationsportale und inhaltsreiche Websites ist. Infotelefon: 0162 4274462
24. September 2026
Der Schriftsteller Ernst Weiß als Filmfigur
von Peter Engel
Die letzte Staffel der Fernsehserie „Babylon Berlin“, die in diesem Jahr im Ersten Programm ausgestrahlt wurde und in der ARD-Mediathek weiterhin zu sehen ist, macht nicht nur erhebliche Anleihen bei dem Roman „Der Augenzeuge“ von Ernst Weiß, sondern in der am 19. September im Abendprogramm gesendeten vierten Folge trat der Autor sogar selbst auf, dargestellt von dem Schauspieler Godehard Giese. Es ist das erste Mal, daß Weiß damit zu einer Spielfilmfigur wurde. Ein zentraler Handlungsstrang der fünf Folgen dreht sich um die "Krankenakte" aus dem Hospital in Pasewalk, wo Hitler gegen Ende des Ersten Weltkriegs wegen „hysterischer Blindheit“ von dem dortigen Arzt Dr. Edmund Forster, gespielt von Ulrich Noethen, untersucht und angeblich in einer Hypnose geheilt worden sein soll. Das ist auch eine Schlüsselszene im „Augenzeugen“, aber die Heilung ist nicht verbürgt und in der Forschung höchst umstritten, der Realitätsgehalt des gesamten Vorgangs wird durchweg bestritten.

07. Juni 2026
Ernst Weiß im „Zwiegespräch“ mit Herbert Ihering im Mitteldeutschen Rundfunk Leipzig
Zu einem neuen Fund im Herbert-Ihering-Archiv der Berliner Akademie der Künste
von Cornelia Heering
Am 17.9.1929 eröffnet die MiRAG (Mitteldeutschen Rundfunkanstalt Leipzig) eine neue Sendereihe „Zwiegespräch“. Die Teilnehmer der ersten Ausstrahlung sind der Theaterkritiker Herbert Ihering und der Autor Ernst Weiß. Ernst Weiß präsentiert im selben Jahr in der Sendung „Autorenstunde“ am 8. November in einer Lesung Auszüge aus seinen Werken.

25. April 2026
Vor 100 Jahren ein Riesenerfolg - Rahel Sanzaras Roman „Das verlorene Kind“ in neuer Ausgabe
von Peter Engel

Als 1926 im Ullstein Verlag von einer bis dahin völlig unbekannten Autorin ein Roman erschien, in dem es um den Lustmord an einem vierjährigen Mädchen ging, war das von den Zeitungen geschürte Interesse an diesem Buch enorm, in kurzer Zeit stellte sich einer der größten Bucherfolge in der Zeit der Weimarer Republik ein. Der harmlose Titel „Das verlorene Kind“ wollte zu dem gewaltsamen Inhalt nicht recht passen, von der Verfasserin namens Rahel Sanzara wußten einige informierte Zeitgenossen nur, daß sie in der Ära des Expressionismus als Schauspielerin hervorgetreten war, einige brachten sie mit dem Schriftsteller Ernst Weiß in Verbindung, und bald kam auch das Gerücht auf, in Wahrheit habe er den Roman geschrieben. Alles Stoff genug für die Presse, aus der Sache eine Sensation zu machen.
Weiterlesen21. April 2026
“Dem verlorenen und wiedergefundenen Kinde”
Interview mit Cornelia Heering

Wir freuen uns, die Literaturwissenschaftlerin Cornelia Hering für ein Gespräch über ihre Forschung zu Ernst Weiß gewonnen zu haben. Sie schildert, wie sie über ein Seminar zur Literatur der Zwischenkriegszeit erstmals auf Weiß aufmerksam wurde und sich von dort aus systematisch in sein Werk vertieft hat. Zugleich gibt sie Einblick in die biografische Forschung: die fragmentarische Quellenlage, verschollene Texte und neu erschlossene Dokumente, die das Bild dieses Autors nur mosaikartig entstehen lassen. Als leitendes Motiv tritt dabei die Frage hervor, wie sich – in ihren Worten – „die Person mit ihrem Werk als einen konstitutiven Zusammenhang“ verstehen lässt, der „eine Aussage zur Deutung der Wirklichkeit vermitteln kann“ – eine Perspektive, die auch die besondere Sensibilität von Weiß für Kindheit, Gewalt und soziale Prägung verständlich macht.
Weiterlesen01. April 2026
„Zwei große Machtergreifungsromane“ – Der „Augenzeuge“ von Ernst Weiß im Vergleich mit Hermann Brochs „Verzauberung“
Zu Helmuth Kiesels Einordnung des Autors Ernst Weiß in seiner Literaturgeschichte „Schreiben in finsteren Zeiten“. Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933 – 1945, München 2025
von Cornelia Heering
Angenommen, zwei Autoren verabredeten sich zu einer Schreibidee: Mit „kassandrischer Vorhersagekraft“ zwei „große Machtergreifungsromane“ zu komponieren, diese zu Lebzeiten zurückzuhalten und ihre Manuskripte unter dramatischen Umständen vor der Vernichtung retten zu lassen, damit sie posthum veröffentlicht werden und ca. 70 Jahre später in einer der renommier-testen Literaturgeschichten dargestellt und bewertet zu finden sind – so ließe sich das perfekte Muster für ein Nachlassmanagement mit „Autorenintention“ unter besonderen Schreibbedingungen, nämlich dem „Schreiben in finsteren Zeiten“, vorstellen. In der unter dem gleichnamigen Titel erschienenen „Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933-1945“ von Helmuth Kiesel, die gleichzeitig den Band XI der Literaturgeschichte „Deutsche Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart“ darstellt, kann dieser Eindruck über die beiden Autoren Ernst Weiß und Hermann Broch entstehen.

20. Februar 2026
Ein Vorbild für die Figur der Franziska? Zum Fund eines bisher unbekannten Weiß-Briefes
von Cornelia Heering

Sie muss ihm schon früher und erst recht nach der Veröffentlichung seines zweiten Romans in den Sinn gekommen sein: Die Schauspielerin Leopoldine Konstantin. Im Jahr 1916 war Ernst Weiß an verschiedenen Standorten der österreichischen Armee als Regimentsarzt „auf Abruf“ stationiert. Die Wartezeit vor seiner Verlegung an andere Frontabschnitte verbrachte er mit dem Schreiben von Briefen an Rahel Sanzara, mit dem Entwurf neuer Texte, mit der Überarbeitung seines Romans „Tiere in Ketten“ und mit den Vorbereitungen von Vertragsverhandlungen mit Verlagen. Und während dieser Zeit erscheint sein zweiter Roman „Der Kampf“. Franz Kafka erwähnt in seinen Tagebüchern am 28. Juli 1914, dass er und der Autor an diesem Text arbeiten. Er schreibt: „Wir sitzen zum Beispiel und korrigieren den ‚Kampf‘.“
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